So mancher Klavierschüler hasst sein Instrument mit Inbrunst, weil Mutter ihn zum Üben anregt, er aber lieber Fußball spielen würde. Doch wer einmal Klavier kann, verlernt es niemals wieder. Vielleicht besinnt er sich später im Leben auf seine Kenntnisse – zum Beispiel, weil er es dem Blues-Duo Schroeter und Breitfelder nachmachen möchte, die als erste Deutsche einen der renommiertesten Bluespreise in Memphis/Tennessee abräumten. Grund genug, später im Leben den Blues am Klavier lernen zu wollen.
Von der Übungsetüde zum Blues
Wenn man die Klaviertechnik erlernt hat, ist der Blues ein einfacher Schritt. Seine Struktur ist klar. Es gibt zahlreiche Vorbilder und Notensätze. Diese Musikart verlangt einem Pianisten die Fähigkeit zum Improvisieren ab. Wanderungen in andere musikalische Welten sind jederzeit möglich. Bluesmusik hat sich zum Bluesrock oder Rythm-and-Blues weiterentwickelt und zeigt musikalische Affinität zu Ragtime, Boogie, Jazz, Rock oder Folk. Bevor man Blues am Klavier lernen kann, sollte man einiges über diesen Musikstil wissen. Es ist nämlich ursprünglich ein Gesangsstil gewesen, den die afroamerikanischen Sklaven aus den Südstaaten Amerikas erfunden haben. Typisch waren die zwölf Takte, die man in drei Teile zu jeweils vier Takten aufteilte und im 4/4- Rhythmus zu Gehör brachte. Als kirchliches Gegenstück entstand zur gleichen Zeit der Gospelgesang. Beide haben zahlreiche Musikrichtungen beeinflusst. Die traditionellen Gesänge der Sklaven waren bis Ende des 19. Jahrhunderts in den Südstaaten zu hören.
Inhalt und Form des Blues
Im eigentlichen Sinne ist der Blues ein Klagelied, in dem es über den Verlust der Liebe und andere Probleme des Lebens geht. Soziale Missstände, Alkohol, Geldnöte oder Diskriminierung im Job waren abgehandelte Themen. Entscheidend ist die Art und Weise, wie diese Klage vorgetragen wird. Einfache Formen des Blues wie Archaic Blues oder Country Blues werden von einem Sänger mit akustischer Gitarre gespielt, moderne und komplexe Formen involvieren ganze Bands und elektrische Instrumente. Bedeutungsvolle Begleit-Instrumente sind aber auch die Blues-Harp oder das Klavier geworden. Ein Grund mehr, um Blues am Klavier lernen zu wollen. Ob man sich am zwölftaktigen Memphis Blues oder am legendären Saint Louis Blues, dem mittlerweile klassischen City-Blues oder dem Bluesrock versuchen möchte, ist jedem selbst überlassen. Den: Die Geschichte des Blues ist noch lange nicht zu Ende geschrieben.
Blues auf weißen und schwarzen Tasten
Interessanterweise war es gerade das Klavier, das dem Boogie-Woogie zum Start verhalf. Es waren nämlich für Klavierspieler bearbeitete Bluesstücke, die diesen Stil hervorgerufen haben. Auch hier gilt natürlich die so genannte Bluesformel als Standard: Man singt die erste Textzeile zweimal und beginnt dann eine neue. Zwischen den Textblöcken werden Instrumentalsoli eingebaut. Ein Pianist kann durchaus als Solospieler mit eigener Gesangsbegleitung einen Konzertabend gestalten. Die klassischen Bluesinstrumente sind akustische oder E-Gitarre, Akustikbass, Schlagzeug sowie Saxophon. Später nahm man elektronische Orgeln dazu. Ab 1950 setzten B. B. King oder der Pianist Ray Charles andere Instrumente ein. Vor allem der blinde Ray Charles wanderte auf den Tasten quer durch alle Stile der Farbigen und machte sie weltbekannt.